80 Jahre Waldorfschule in BerlinDie Rudolf Steiner Schule Berlin feierte am 23. Mai 2008 mit einem Festakt und anschließenden kulinarischen und literarisch-musikalischen Spezialitäten das Jahr ihres 80. Geburtstages. Dieses runde Jubiläum ist an erster Stelle natürlich ein bedeutendes Ereignis im Leben dieser Waldorfschule, andererseits aber und das ist den Menschen der Stadt, die mit Waldorf zu tun haben, bewusst ist es zugleich ein Fest, das alle angeht. Wenn die Rudolf Steiner Schule feiert, haben alle Waldorfeinrichtungen Berlins Anlass zum Feiern, denn die Geburtsstunde dieser Schule 1928 ist gleichzeitig der Beginn allen pädagogischen Wirkens in der Hauptstadt aus dem Geiste der Anthroposophie heraus. Anfangs unterstützt von Stuttgarter Kollegen, die noch mit Rudolf Steiner tätig waren, ging später von dieser Schule durch einen nicht unbeträchtlichen dauernden "Aderlass" vieles aus, was die heutige Fülle an Waldorfeinrichtungen in der Region hat entstehen lassen. Ein Jubiläum dieser Schule kann niemals eine "private Angelegenheit" sein, sondern wird immer weit über ihre Mauern hinaus ertönen und Resonanzen erzeugen. Dessen ist die Rudolf Steiner Schule sich sehr wohl bewusst und hegt sicher noch heute ein Restchen stolzer Muttergefühle ihren gesamten Nachkommen gegenüber. Aber eine Mutter hat auch ihre eigene sich weiter entrollende und wandelnde Biografie, ihre eigenen zu bewältigenden Probleme und nicht immer Kraft und Lust, die ganze Verwandtschaft zu jedem Anlass ins Haus zu bitten: Sie hatte gerade erst zu ihrem Siebzigsten im Jahre 1998 ihrem ersten runden Geburtstag nach dem Mauerfall mit allen anderen Waldorfschulen in Berlin viel öffentlichen Aufhebens gemacht, zudem sind derzeit schwere Konflikte mit dem Wohnumfeld zu lösen, der Raum für die über 750 Schüler der mittlerweile zweizügigen Schule ist zu beengt geworden und ein dringendes Kaufvorhaben beschäftigt die Gemüter. Kurz und gut, man blieb dieses Mal mehr oder weniger unter sich und genoss die familiäre Atmosphäre mit rund 400 teilnehmenden Schülern, Eltern, Lehrern, Ehemaligen und nahen Freunden. Der Festakt diente hauptsächlich der Selbstbesinnung sowie dankbaren Rückblicken auf die Anfänge der Gründungszeit, vor allem auf die damals beteiligten Menschen und deren außergewöhnliche Fähigkeiten bei einer außergewöhnlichen Tat. Zehn Jahre nach der Gründung zwang die dunkelste Zeit Deutschlands diese Schule zur Schließung. Nach dem Krieg gab es eine zweite Gründungsphase, und 1949 wurde auf dem heutigen Gelände in der Clayalle in zwei ehemaligen Wehrmachtsgebäuden der Unterricht wieder aufgenommen. Man ist sich der belasteten Örtlichkeit bewusst, von der aus der Zweite Weltkrieg geplant und organisiert wurde, und empfindet die Arbeit einer Waldorfschule an solchem Ort als besonders verantwortungsvoll und heilsam. Übrigens: Die älteste Berliner Waldorfschule hat eine Schwester, die dieses Jahr ebenfalls ihren 80. Geburtstag feiert und die älteste Waldorfschule Amerikas ist, die Rudolf Steiner School New York. Einen Geburtstags-Kaffee müsste man schon mal zusammen trinken, oder? Denn es gibt sicher viel an Erfahrungen auszutauschen so unter Ältesten. 25.5.2008 Astrid Hellmundt |